ALT, ARROGANT, SCHNÖSELIG? UM SOLCHE CHEFS WIRD`S JETZT EINSAM!

Die Wahl des Bundesvorstandes der CDU hat gezeigt: Auch in der Politik geht der gesellschaftliche Wandel nicht spurlos dran vorbei. Das Wahlergebnis, das Annegret Kamp-Karrenbauer zur neuen Vorsitzenden der konservativen CDU kürte, bestätigt den Wunsch nach einer neuen Führungskultur.

 

Ich-Bezogenheit und der Interessenfokus einer auserwählten Elite stehen nicht mehr im Mittelpunkt. Ist das persönliche Macht-und Karrierestreben von Chefs zu augenscheinlich, reagieren die Menschen eindeutig mit Ablehnung und ziehen ihr Vertrauen ab. Nur: Ohne Vertrauen kann man in der Digitalen Zukunft nicht mehr führen. Weder eine politische Partei, noch ein Unternehmen.

 

Gewünscht ist ein: Weg vom Selbst - hin zur Sache

 

Von klein auf sind wir durch Erziehung und Umwelt geprägt, uns gegen andere durchzusetzen, um im Wettbewerb zu gewinnen. Ein Kraftakt, der in überschaubaren Strukturen auch gelang. Ältere Führungskräfte sind mit dieser Prägung aufgewachsen und haben sich durch viele Jahre auf diese Weise ihren Status aufbauen und festigen können.

 

Angesichts der stets steigenden Komplexität, digitaler Vernetzung und maximaler Unsicherheiten kann dieser Wettbewerbsgedanke für den Einzelnen nicht mehr das Maß sein. Er funktioniert schlicht nicht mehr. Mehr und mehr erlebt man als Manager, dass man auf andere angewiesen ist, um seine Ziele zu erreichen und Komplexität zu steuern.

 

Das Herrschen Einzelner ist nicht mehr leistbar, da das zu beherrschende Umfeld einfach nicht mehr durchschaubar ist. Menschen, die diesen Führungsstil dennoch weiter praktizieren, machen sich unglaubwürdig. Die Medien, allen voran auch die Social Media Kanäle sind hier gnadenlos und führen solch ein Gebahren zur Belustigung der Menschen bis ins kleinste Detail vor.

 

Zigarre und Cognac im Kaminzimmer war einmal

 

Es genügt als Manager nicht mehr, seinen kleinen elitären Zirkel um sich zu wissen. Zigarre und Cognac im Kaminzimmer war einmal. Zu transparent ist aktuell das wirtschaftliche Geschehen. Zu stark ist der gesellschaftliche Wandel.

 

Jüngere, gut ausgebildete Menschen aus der Wissensgesellschaft haben den berechtigten Anspruch an Einbindung, Teilhabe und Sinnvermittlung. Sie „riechen“ förmlich, wenn es einem Manager zu sehr um die Befriedigung seiner Ego-Bedürfnisse und Pflege des Narzissmus geht. Mit der Konsequenz, dass man ihn abstraft und den Rücken kehrt. Der steigende Fachkräftemangel lässt grüßen.

 

Auch in den Management-Etagen ist noch mehr Vernetzung angesagt

 

Sehr klar auf den Punkt bringt diese Erkenntnis der Hirnforscher und Neurobiologe Gerald Hüther. Er plädiert sogar für »Potentialentfaltungs-Gemeinschaften«. Seine Botschaft: Im Zusammenschluss mit anderen verfügen wir über eine deutlich höhere Intelligenz, »mehr Hirn« also.

 

Dies führt zu deutlich höherem Leistungspotential, da Wissen von vielen gebündelt und damit wirkungsvoller eingesetzt werden kann. Genau hierin liegt die Herausforderung und dies ist gleichzeitig einer der ganz zentralen Stellhebel, um die Digitalisierung zu bewältigen, so eine McKinsey Studie. Als Chef ist man aktuell nicht mehr ein „Gott“, der ganz oben steht und über andere regiert.

 

Führung ist mittlerweile keine Einzeldisziplin mehr, sondern ein Teamsport.

 

Wettkampf und Einzelkämpfertum kann man abtrainieren

 

Nicht nur die Wissenschaft und Managementforschung, auch der gesellschaftliche Wandel beweisen: ein Umdenken ist nötig und möglich. Es erfordert allerdings Training und das Vorleben guter Beispiele.

 

Die gute Nachricht: Der Gehirnforscher Gerald Hüther hat festgestellt, dass der Wettbewerbsgedanke und das Einzelkämpfertum in unseren Gehirnen nicht als genetisches Programm fest verankert sind. Die moderne Gehirnforschung hat erkannt, dass das Gehirn sozusagen eine Baustelle ist, die sich durch lebenslanges, soziales Lernen immer wieder umprogrammieren lässt. Alte, antrainierte Muster und Denkweisen lassen sich durch aktuelle Vorbilder und viel Best-Practice auflösen. 

 

Zusammenführen und zusammen FÜHREN

 

Es kann also funktionieren, dass Manager sich mehr und mehr von Arroganz und Schnöseltum distanzieren.  Und den Blick wenden weg von sich selbst auf die Dinge, um die es geht: Die Menschen, die Aufgaben und die Herausforderungen!

 

Auf gutes Gelingen!


Annette Alsleben ist Management-Beraterin, Referentin, Buchautorin und Beirätin. Ihr Schwerpunkt: Management und Leadership in der Digitalen Zukunft. Die Ökonomin hat über 20 Jahre Praxis als Managerin auf Top Management-Ebene in namhaften Weltkonzernen. In den letzten Jahren steuerte sie diverse unternehmensweite Großprojekte (z.B. BMW, LIDL).

 

Ihr aktuelles Buch - auch als Hörbuch:
DA VINCI Management - Orell Füssli Verlag/audible.de. Mehr unter :
DA VINCI MANAGEMENT - Annette-Alsleben

 

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