Wertewandel in der Digitalisierung

Im Interview mit der renommierten Referentenagentur Athenas in Hamburg habe ich vor kurzem erklärt, vor welchen Herausforderungen Manager heute stehen und wie sie damit in der uns noch bevorstehenden Digitalisierungswelle umgehen.

 

Lesen Sie hier die aktuellen Inhalte des Interviews:

 

Frau Alsleben, Sie sind Expertin für Wertewandel im Management. Warum ist dieses Thema besonders heute so wichtig?

 

Ganz aktuell führen uns die Medien vor Augen, dass namhafte Konzerne wie VW und Deutsche Bank, die für die Marke „Deutschland“ stehen, enorm an Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Vertrauen verlieren. Im Ergebnis führt dies in den Konzernen jeweils zu Milliardenverlusten, z.B. 6,2 Milliarden EUR Rekordverlust im 3. Quartal 2015 bei der Deutschen Bank und einem von US-Rechtsexperten geschätzten Gesamtschaden von 70 Milliarden EUR für VW. Extrem hohe Schadenskosten, die durch einen rechtzeitigen Wertewandel hätten vermieden werden können.

 

Bisher war das Thema Wertewandel vorrangig eines von Theologen, Soziologen und Psychologen. Notwendig und wertvoll, dennoch von Unternehmenslenkern oft belächelt als „nice-to-have“. Die o.a., ganz aktuellen Beispiele zeigen allerdings: „Jetzt brennt echt die Hütte“, es muss dringend etwas passieren.

 

Ganz konkret vertrauen mir gestandene Manager und Entscheider aus namhaften Konzernen an, dass sie selber von der Angstkultur getrieben sind. Sie fordern, dass das längst überfällige Thema Wertewandel endlich vom „Wording“ in ein ganz konkretes und nachhaltiges „TUN“ kommt.

 

Man hört immer wieder, dass Mitarbeiter Angst vor ihrem Chef haben. Die Folgen sind Stress, Leistungsdruck und unter Umständen verminderter Erfolg.

 

                               Wie kann man diese Kultur der Angst ändern?

 

Tatsächlich ist die Angstkultur nicht nur bei VW, sondern unterschwellig in ganz vielen Unternehmen ganz aktuell an der Tagesordnung. Die stetig steigende Leistungsdichte, wachsender Druck und hohe Unsicherheit sind als klassische Schlagwörter gelebte Wirklichkeit. Hier gibt es eine große Lücke zwischen der gewünschten, überall nachlesbaren Theorie und tatsächlicher Praxis. Das nehme ich täglich um mich herum wahr.

 

Stichwort Digitalisierung: Erst letzte Woche verriet mir der Leiter des HR Service Centers eines großen Weltkonzerns, dass man in Sachen Digitalisierung erst ganz am Anfang steht. Er meinte, dass schon bereits auf nationaler Ebene die gemeinsame Ausrichtung des Managements in diese Richtung eine echte, noch zu leistende Mammutaufgabe ist.

 

Und das es noch genügend „alte Haudegen“ gibt, bei denen dies noch nicht

angekommen ist.

 

Hier helfen 3 notwendige Schritte:

 

1. Bewusstmachen: Die Einzelkämpferphase ist tatsächlich und nicht nur auf dem Papier vorbei. Die Herausforderungen des Digitalen Zeitalters sind definitiv nicht mit Chefallüren und Ressort-Egoismen zu bewältigen. Es gilt, nun wirklich den Blick zu öffnen von oben nach unten und von rechts nach links.

 

Zuviel erlebe ich noch in der Praxis: „Was interessiert mich Dein Geschwätz, Ich mache MEIN Ding.“

Da macht dann die schöne Theorie von „wir wollen in Zukunft GEMEINSAM an einem

Strang ziehen, praktisch einfach vor dem Werkstor halt. Hier wünsche ich mir mehr Selbsterkenntnis und Selbstverpflichtung von den Entscheidern. Damit gelingt dann:

 

2. Mehr Durchlässigkeit zulassen: Durch wirkliches Loslassen von Egoismen kann eine Kultur des Vertrauens entstehen. Allein schon das Bewusstsein: „Ich schaffe das

eh´nicht alleine"  nimmt einem den enormen Druck von den Schultern. Die Weisheit

der Vielen schafft - wissenschaftlich immer wieder bewiesen - bessere, tragfähigere Ergebnisse. Es gilt, die Mitarbeiter einerseits in ihrer Eigenverantwortung zu stärken, als auch darin zu ermutigen, mehr mit anderen im Austausch zusammenzuarbeiten.

 

Dies bringt Mitarbeitern mehr persönliche Erfolgserlebnisse. Es macht sie mutiger und setzt Kreativität frei. Hier sehe ich oft in der Praxis noch enorme Potentiale, die gehoben werden können. Und bares Geld bringen.

 

3. Loslassen führt zu Entlastung des Chefs. Durch den Aufbau von hilfreichen Netzwerken und eigenverantwortlich handelnden Mitarbeitern wird man als Chef entlastet. Man hat ein Umfeld, auf das man bauen kann. Dadurch hat man mehr Raum, sich auf Wesentliches zu konzentrieren und nach vorne zu schauen. Durch die gewonnene Gelassenheit und Klarheit schärft sich der Blick für notwendige Kurskorrekturen, Veränderungsbedarfe und Innovationen.

 

Sie haben über 20 Jahre Erfahrung in Führungspositionen. Gab es Änderungen

in Führungsetagen, die Ihnen besonders aufgefallen sind?

 

Absolut. Natürlich war Druck in den Chefetagen schon vor 20 Jahren ein Thema. Aber ich bin angefangen in einem IT-Konzern zu Zeiten, da wurde am Vormittag noch Sekt und Mettbrötchen von der Kaffeedame aufgefahren, wenn einer Geburtstag hatte. In einer großen Abteilung kam das natürlich häufiger vor;-). Der Rest des Tages war in Folge natürlich gelaufen, der Sekt setzte nämlich so manchen außer Gefecht…

 

Absolut unvorstellbar heute. Das geht gar nicht mehr! Feiern und Genießen sind

dem Rotstift zum Opfer gefallen. Workshops finden nicht mehr in schicken Hotels

statt, sondern in nüchternen Besprechungszimmerlein ohne Fenster. Wo bleibt da

der Spaß?

 

Chefs sind heute nicht mehr nur Chefs, sondern oft ihre eigene Sekretärin. Tischlein im Großraumbüro statt Eckzimmer mit Ausblick. Sie klagen mir gegenüber im Vertrauen über enorme Leistungsdichte, hohe Unsicherheit, noch mehr Druck und schlichtweg viel Frust und Angst.

 

Um dem zu begegnen, ist im Digitalen Zeitalter ein besonderer Mix an Skills notwendig.

 

Als Manager muss man mehr denn je Wesentliches vom Unwesentlichen trennen, sehr

gut netzwerken können, sehr scharf beobachten, Change Agent sein und stetes Marketing für seine Sache und sein Team betreiben. Anforderungen, die nicht jeder

beherrscht, die aber erlernbar sind. Und vor allem, wie man sie priorisiert.

 

Was können Ihre Zuhörer von einem Ihrer Vorträge erwarten?

Alle die oben beschriebenen Dinge habe ich in langjähriger Konzernpraxis bis auf Top Management-Ebene erlebt. Sowohl selber in Führungsaufgaben als auch im Zusammen-spiel mit anderen Managern. Und aktuell kommen als Management-Beraterin täglich neue Erkenntnisse hinzu.

 

In den letzten Jahren steuerte ich nacheinander 2 unternehmensweite Großprojekte mit hoher Komplexität. Dabei durfte ich mir ein Bild machen, was absolute „No go`s“ und was die Stellhebel für wirksames Management sind:

 

Dazu gehört insbesondere, wie sich die Türen in die gewünschte Richtung öffnen. Wie man sich auf Wesentliches fokussiert und wie man wertvolle Unterstützer ins Boot holt.

 

Wie man auf seine Mannschaft bauen kann und die Dinge zur richtigen Zeit in der gewünschten Qualität umsetzt.

 

Also praktisch, die Dinge gut unter einen Hut zu kriegen und dabei souverän zu

bleiben! Das ist schon eine Kunst. In meinen Vorträgen zeige ich, wie dies

inhaltlich gelingen kann.

 

Das geführte Interview für Sie zum Nachlesen bei Athenas finden Sie hier.

 

 


Annette Alsleben ist Rednerin, Management-Beraterin und Ökonomin.

Ihre Spezialisierung ist der Wertewandel im Management im digitalen Zeitalter.

 

Als langjährige Führungskraft steuerte sie mehrere unternehmensweite Großprojekte bei internationalen Konzernen (z.B. BMW, LIDL) und arbeitet viel vertrauensvoll mit dem Top-Management zusammen.

 

Aktuell gibt sie ihren reichen Erfahrungsschatz unterhaltsam und emotional erlebbar auf Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Workshops und in Fachartikeln weiter. Neugierig geworden? Hier geht`s zum  Angebot.


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