Management im Wandel - Alles bloss Etikettenschwindel?


So schön, wenn man derzeit die Unternehmenskommunikation so mancher namhafter Unternehmen verfolgt, sowohl nach außen als auch nach innen.


Ich bin beeindruckt:von Auszeichnungen als „Great Place to work“; von frauen-freundlichen Positionierungen in Hochglanzanzeigen und auf gut besuchten Mitarbeiterkundgebungen.


Oder von Konzernen, die vom tollen neuen Wertemanagement bei sich im Unternehmen schwärmen. Klingt nach buntem Federschmuck.

 

Jetzt mal echt: glauben Sie das alles?  


Die erlebten Erfahrungen passen nicht zum Etikett des Unternehmens

 

Ich nicht. Weil ich es anders erlebe. Und weil mir die Menschen auch anderes berichten. Aus ihrem eigenen Erleben. Da wird z.B. eine im Konzern sehr namhafte Führungs-Persönlichkeit am Rande einer Mitarbeitergroßveranstaltung interviewt, was er vom neuen Wertesystem hält. Sein strahlendes Feedback ins Mikro war klar: volle Begeisterung und Bestätigung.

Tatsächlich aber erleben viele Mitarbeiter diesen Chef oft als herablassend und als „harten Hund“.

 

Ein anderer gestandener Manager berichtete mir am Rande einer Vortragsveran-staltung, dass er den „Great Place to Work“ nach 20 Jahren verlassen hat: weil die gelebte Wertschätzung im Unternehmen dem Etikett „Great Place“ diametral entgegensteht.

 

Im gemeinsamen Coaching fasste ein anderer Manager mir letztens sein Erleben als „Etikettenschwindel“ zusammen. Und nun?

 

Management funktioniert nicht nur über Zielerreichung

 

Sehr begrüßenswert der aktuelle Ansatz des TUI-Konzerns, die Vorstandsvergütungen anteilig nach der Mitarbeiterzufriedenheit auszurichten.

Ein Stellhebel, der wirkt, weil man es gewohnt ist. Management funktioniert schließlich auch über Zielerreichung.

 

Reichen tut dies bei weitem noch nicht. Wirklich erlebbarer Wandel geschieht erst, wenn auch die innere Haltung der Manager stimmt. Wie immer gilt es, die zentrale Kernfrage zu beantworten: „what`s in it for me?“

 

Warum sollte sich ein Manager ändern? Wenn es für ihn/sie Sinn macht. Oder die Alternativen Angst machen. Was treibt Manager wirklich an? Geld ist ein Nebenprodukt - als Erfolgsbestätigung. Das wirkt aber nur im Kopf und wärmt nicht das Herz. Wirklich wichtig sind Anerkennung, Macht und die Höhe der Verantwortung. Und die Erfüllung eben dieser Werte, die einen gut schlafen lässt. Pure Ambition.

 

Es gibt wertvolle erste Signale in bekannten Unternehmen, die in die richtige Richtung weisen. Wenn Vorstände vom Unternehmen „absorbiert“ werden, weil sie den Bogen an „Zitrone auspressen“ überspannt haben. Oder wenn Projektleiter für sehr bedeutende Projekte bei deren Versagen als Chef „auf`s Abstellgleis“ gestellt werden. Wer will denn sowas? Macht sich nicht gut. Es spricht sich herum im Unternehmen - und schadet dem Ego des Betroffenen.

 

Wandel bei sich selbst ist eine zentrale Managementaufgabe

 

Sich dies bewusst zu machen, bei sich selbst anzufangen, ist eine der zentralen Aufgaben im Managementwandel. Mit dem Ergebnis, seine innere Haltung neu auszurichten. Zum eigenen Nutzen. Es gilt, mehr Aufmerksamkeit in der obersten Unternehmensführung auf das Thema „Wertewandel im Management“ zu lenken. Vorbildfunktion aus innerer Überzeugung, aus vollem Herzen zu übernehmen. Und sichtbare Konsequenzen bei Fehlverhalten einzuleiten.

 

Das beginnt bei der Auswahl von Top-Führungskräften und kommt nicht ohne das laufende „360 Grad-Tracking“ aus. Klingt zunächst nach mehr Druck, aber tatsächlich rechnet es sich: für das Unternehmen, für das Management und für die Mitarbeiter.

 

Es fördert das Vertrauen in das Unternehmen, wenn auch drin ist, was drauf steht: Vertrauen macht sich schließlich bezahlt.

 

 


Annette Alsleben ist Rednerin, Managementberaterin und Business Coach.

Ihre Spezialisierung ist der Wertewandel im Management.

 

Als langjährige Führungsfrau steuerte sie mehrere unternehmensweite Großprojekte bei  internationalen Konzernen (z.B. BMW, LIDL) und arbeitete viel mit dem Topmanagement zusammen.

 

Aktuell gibt sie ihren reichen Erfahrungsschatz unterhaltsam und emotional erlebbar auf Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Workshops und in Interviews weiter. Neugierig geworden? Hier geht`s zum  Angebot.


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