Muskelspiele im Meeting


Dienstagnachmittag. Wichtige Regel-Projektrunde im Konzern.

Ganz großes Kino; die wesentlichen Entscheider sind eingeladen.

Wichtige Beschlüsse sind zu fassen, um das Projekt im Unter-nehmen weiter zu verankern. Fast nur Herren, ganz wenige Damen - wie immer. Ich bin auch dabei - und habe meinen Spaß. 


Große Erwartungsspannung zu Beginn: kommt Herr K.? Und Herr B. ? Sie haben durch ihre Assistentinnen die Teilnahme jedenfalls zugesagt. Ihre Anwesenheit ist von hoher Bedeutung für den Projektfortgang.

 

Natürlich kostet die Anwesenheitszeit der zentralen Entscheider dem Konzern viel Geld.

Auch klar, dass diese Personen natürlich 6 Paralleltermine gleichzeitig haben - und mit Bedacht wählen müssen, welcher Termin priorisiert wird.

 

Management-Personalkosten sind ein enormer Kostenblock

 

Und natürlich kostet es dem Unternehmen noch mehr Geld, wenn Entscheidungen heute nicht gefällt werden können: weil einzelne zentrale Besprechungs-Teilnehmer eben doch nicht erscheinen, alle anderen teuren Führungskräfte aber da sind und nun Däumchen drehen müssen:

 

  • sei es, weil der Agendapunkt nun komplett entfallen muss
  • oder weil man nun unter den Verbliebenen gemeinsam diskutiert, wie die zentrale Entscheidung nun anderweitig herbeigeführt werden kann.

 

Zeit ist Geld. Personalkosten gehören mit zum größten Kostenblock im Unternehmen. Gerade die des Topmanagements. Hier gilt es umso mehr, effiziente Wege zu gehen, um die Performance des Unternehmens auf gutem Kurs zu halten.

 

Das nächste Meeting drängt bereits auf pünktlichen Beginn

 

Zurück zum Meeting. Mit deutlicher Verspätung kommt Herr S. in die Runde. Also zurück zum vorherigen Agendapunkt. Aufgleisen und Einfangen von Herrn S. ist nun natürlich erst von Nöten. Uuups, das kostet wieder Zeit. Die nächsten Agendapunkte verschieben sich also nach hinten. Oder müssen auf den nächsten Jour fix-Termin verschoben werden. Denn im Anschluss drängt ja das nächste Meeting auf pünktlichen Beginn.

 

So, Herr S. ist im Bilde, braucht jetzt erstmal Raum, um sich zu positionieren. Sie kennen das, die üblichen Spielchen beginnen. Da kriegen ein paar Anwesende (und auch einige Nichtanwesende) erst mal ihr „Fett“ weg. Eine lebhafte, durchaus emotionale Diskussion entbrennt sich. Wer hat Recht? Wer setzt sich durch? Ooohh, das kostet Zeit. Und ich habe mit einigen anderen weiter meinen Spaß.

 

Der Fortgang des Projekts ist auf sichere Beine gestellt

 

Aber jetzt: Gott sei Dank: der Moderator fängt die Mannschaft souverän wieder ein. Inhaltliches „Abdriften“ oder persönliches „Anschießen“ wird klar unterbunden. Weg vom

Selbst, hin zur Sache. Puh, gut so. Wir kommen wieder zurück zur Agenda. Randvolle

Power-Point-Präsentationen müssen verkraftet werden. Info-Overflow: harter

Tobak und Ermüdungspotential für die Anwesenden. Sind die zentralen Botschaften

auch wirklich angekommen? Und dennoch: Entscheidungen werden gefällt. Der Fortgang des Projekts ist wieder auf sichere Beine gestellt. Und die noch offenen Punkte für den nächsten Jour fix definiert.

 

Das Ergebnis des Termins? Nun ja, man hat nicht alles geschafft, was man sich vornahm. Ist aber wieder ein Stück weiter. Auf zum nächsten Meeting.

 

Klar, wir kennen alle die „Goldenen Besprechungsregeln.“ Halten wir uns daran in der Praxis?

 

Das Sein siegt da doch manchmal über die Sache. Das Bewusstsein darüber, welchen Beitrag jeder Manager hierzu leisten kann, bewirkt enorm viel.

 

Das Ergebnis ist nicht nur ein hoher Zeit, Nutzen- und Effizienz-Gewinn für jeden Manager selbst, sondern auch eine enorme Performance-Verbesserung für das Unternehmen.

 

 Davon profitieren Alle.

 

                                                                                                  Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de


Annette Alsleben ist Managementberaterin, Rednerin und Coach.

Ihre Spezialisierung ist der Wertewandel im Management.

Als Change-Expertin und Ökonomin mit ca. 20-jähriger Führungserfahrung in Großprojekten bei namhaften internationalen Konzernen arbeitete sie viel mit dem Topmanagement zusammen.

 

Aktuell gibt sie ihr Wissen unterhaltsam und praxisnah auf Vorträgen, Podiums-diskussionen, Workshops und in Interviews weiter. Neugierig geworden? Hier geht`s zum
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